Kolloquium „Interkulturalität durch das Prisma der Migrationen im deutsch-französischen Raum“

Université de Lorraine, Metz, 20.-22. November 2019

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Dassin-Dietrich

Vom 20. bis 22.November 2019 fand an der Université de Lorraine in Metz das Kolloquium „Interkulturalität durch das Prisma der Migrationen im deutsch-französischen Raum“ statt, organisiert von Cécile Chamayou-Kuhn und Ingrid Lacheny vom Centre d’Etudes Germaniques Interculturelles de Lorraine in Kooperation mit Romana Weiershausen vom Lehrstuhl für Frankophone Germanistik der Universität des Saarlandes und Dirk Weissmann vom Centre de Recherches et d‘Etudes Germaniques der Université de Toulouse, Jean Jaures. An der internationalen bilingualen Tagung nahmen über zwanzig Wissenschaftler*innen, Promovierende und Studierende teil. Begleitet wurde die Tagung vom Besuch einer offenen Probe des französisch-tunesischen Theaterstücks „La Tablée“ und anschließender Diskussion mit den Regisseur*innen Maud Galet Lalande und Ahmed Amine Ben Saad.

Im Verlauf des Kolloquiums stellten die Teilnehmenden ihre Forschungsbeiträge in drei thematischen Einheiten zur Diskussion: Der Beginn der Tagung war der Aktualität des deutsch-französischen Dialogs gewidmet. Daraufhin richtete sich der Blick auf den literarischen Transfer und kulturelle Übersetzungen. Es dehnte sich hierbei nicht nur das geographische Einzugsgebiet interkultureller Bezüge über die deutsch-französische Grenze hinaus aus, auch der Begriff der Interkulturalität wurde aus verschiedenen theoretischen Perspektiven beleuchtet und anhand zahlreicher Autor*innen im literarischen Feld verortet. Schwerpunkt der Beiträge des letzten Veranstaltungstages stellten schließlich Fallbeispiele für Migrationen und symbolische Räume dar.

 

Den Auftakt der Tagung bildete Dirk Weissmanns (Université Toulouse, Jean Jaures) Vortrag über die (bilinguale) Autorschaft Heinrich Heines und dessen Funktion als Kulturvermittler zwischen Deutschland und Frankreich. Er eröffnete damit zugleich den ersten Themenschwerpunkt zu Migration und Interkulturalität im aktuellen deutsch-französischen Dialog. Weissmann bezog sich in seinen Ausführungen auf die politisch-historischen Schriften des Dichters. Der Beitrag beleuchtete den Stellenwert der französischen Sprache in Heines Werk sowie dessen Bemühen, in Frankreich als Mitglied der Literaturszene anerkannt zu werden. Eine zentrale Frage des Vortrags stellte die Auktorialität Heines in Bezug auf seine frankophonen Schriften dar, da er diese nicht selbständig, sondern in Zusammenarbeit mit französischen Übersetzern und Redakteuren verfasste, jedoch allein unter seinem eigenen Namen veröffentlicht hat. Erklärungsansätze führen einerseits zu den institutionellen Vorgaben wie Übersetzungsverträgen, andererseits zu Heines Selbstbetrachtung als Hauptautor zurück. Je nach Argumentation, so fasste Weissmann zusammen, lässt sich Heines Autorschaft in diesem Zusammenhang als kollaborative Fremdübersetzung, assistierte Selbstübersetzung oder interlinguales rewriting bezeichnen.

Darauf folgte ein Vortrag von Aurore Reck (Universität des Saarlandes), in welchem sie sich mit Fragen zu Recht und Verfassung im Kontext des Alteritätsdiskurses der aktuellen Debatte um Flucht und Asyl befasste. Hierzu untersuchte sie die Rezeption von Kamel Daouds Beitrag „Cologne, lieu de fantasmes“ in Deutschland und Frankreich, welchen der Schriftsteller wenige Wochen nach der „Silvesternacht von Köln“ in der französischen Zeitung Le Monde veröffentlichte. Die anschließende Debatte um und Bezugnahme auf Daouds Artikel analysierte Reck aus rechtstheoretischer (“Was ist Recht?“) und rechtsethischer („Welches Recht ist gerecht?“) Perspektive. Hierbei stellte sie einerseits heraus, dass Recht als orientalistisches Ausgrenzungsmittel missbraucht werden kann, um den europäischen Hegemonialanspruch zu untermauern. Zudem sprach sie sich dafür aus, von einem allzu statischen Rechtsbegriff Abstand zu nehmen. Rechtsgüter, die im Gesellschaftsvertrag ausgehandelt werden, können statische Machtverhältnisse konservieren; sie können aber auch, so Reck, auf die Prozesshaftigkeit kultureller Praxis reagieren. Reck plädierte für einen dynamischen Rechtsbegriff im Sinne einer beständigen Materialisierung der Wertehierarchie, die sich im Kontext sozialer Veränderungsprozesse und gesellschaftlicher Aushandlung wandelt. Bezüglich der Diskussion um Kamel Daoud kam sie zu dem Schluss, dass er weder als Verteidiger westlicher Werte noch als islamophob kategorisiert werden kann, sondern eine eigene Position jenseits der dichotomen Lager einnimmt.

Mit den medial geführten Integrationsdebatten Deutschlands und Frankreichs beschäftigte sich anschließend Agathe Bernier-Monod (Université Le Havre Normandie). In ihrem Beitrag nahm sie den Männerfußball als Ausgangspunkt, um über nationale Diskurse in Deutschland und Frankreich nachzudenken. Sie stellte ihre Ergebnisse aus einer diskursanalytischen Untersuchung vor, die sie anhand der Berichterstattung der deutschen Presse (Juli 2014) und der französischen Presse (Juli 2018) jeweils über die deutsche bzw. französische Nationalmannschaft bei den Fußballweltmeisterschaften der Männer in den Jahren 2014 und 2018 durchgeführt hatte. Geleitet war ihre Untersuchung von der Frage, welcher politische Sinn dem Titelgewinn zugeschrieben wurde und inwiefern die jeweiligen National- und Immigrationsdiskurse Deutschlands und Frankreichs miteinander verzahnt sind. Bernier-Monod stellte fest, dass die Fußballmannschaften als Botschafter der jeweiligen Nation betrachtet werden, ihnen also eine repräsentative Funktion zugeschrieben wird. Auf diese Weise erfahren die Spieler eine Re-nationalisierung, wenngleich die Diskurse in Deutschland und Frankreich recht unterschiedlich geführt werden. Hierbei komme einerseits die Zusammensetzung der Mannschaften zum Tragen (die deutsche Mannschaft hatte weniger Spieler mit Migrationsbiographien in ihren Reihen als die französische), andererseits die unterschiedlichen Nationalkonzepte Deutschlands und Frankreichs.

Der zweite Teil des ersten Tages war der didaktischen und methodischen Umsetzung eines interkulturellen Bildungsideals gewidmet. Alexa Crais (Université Toulouse, Jean Jaures) rückte Interkulturalität und Mehrsprachigkeit als zentrale Kompetenzen in der Lehrerausbildung in Frankreich in den Fokus, wo der Durchschnitt der Lehrer*innen, die sich zu mehrsprachiger Bildung bereit fühlen, weit unter dem europäischen Durchschnitt liege. Im Vergleich von vier deutschen und französischen Kinderbüchern zeigte die selbst in der Lehrerausbildung tätige Germanistin Unterschiede im Wert und Nutzen der Kinderbücher im Fremdsprachenunterricht auf: „Bestimmt wird alles gut“ von Jan Birck und Kirsten Boie, „Alle da! Unser kunterbuntes Leben“ von Anja Tuckermann und Tine Schulz, „Sans papier“ von Rascal und Cendrine Genin sowie Edmond Baudoins „Méditerranée“. Exilgeschichten seien ein wiederkehrendes Thema in der Kinderliteratur in beiden Ländern. Allerdings ist nach Crais die vermittelte Botschaft in Deutschland optimistischer als in Frankreich. Nicht nur die Geschichten in den deutschsprachigen Werken zielten auf ein friedvolles Zusammenleben ab, auch die Präsenz der Kinderliteratur in öffentlichen Bildungsprogrammen und großen Verlagshäusern repräsentierten in Deutschland den Konsens, der gegenüber dem Nutzen der Kinderliteratur für Integration und interkulturelle Bildung herrsche. In der französischen Kinderliteratur stünden hingegen die kritischen Momente der Integrationskultur im Vordergrund. Autor*innen und Illustrator*innen würden bei der Veröffentlichung von Kinderbüchern zu Migration und Flucht auf Schwierigkeiten stoßen, zum Beispiel sei auch der Vertrieb der Bücher auf das Engagement einzelner sozialer Initiativen angewiesen. Wichtig ist aber der Zeitraum, auf den sich die Forschung konzentrierte, so wurde in der anschließenden Diskussion angemerkt, da mit der Reaktion auf die sogenannte Flüchtlingskrise 2015 der Kontext für Investitionen in Bildungsprogramme für Geflüchtete in Deutschland und Frankreich ein anderer ist.

Mit Interkulturalität im universitären Kontext beschäftigten sich Patrick Farges und Corentin Marion (Université Paris-Diderot, Paris 7) in einem gemeinsamen Vortrag zum deutsch-französischen Studiengang Geschichte, der in Kooperation von den Universitäten Paris und Bielefeld geleitet wird. Patrick Farges, Verantwortlicher des binationalen Studiengangs, stellte Anfänge und Entwicklungen der Kooperation vor und hob dabei interdisziplinäre und interkulturelle Besonderheiten des Studienprogramms hervor, die sich aus unterschiedlichen akademischen Traditionen und Schwerpunktsetzungen der beteiligten Universitäten sowie aus der Beteiligung unterschiedlicher Fakultäten ergeben. Der theoriegeleiteten Herangehensweise der Pariser Universität stellte er die theoriegesättigte, stärker auf Methoden ausgerichtete Bielefelder Schule gegenüber. Hieran anknüpfend berichtete Corentin Marion, Masterabsolvent des deutsch-französischen Studiengangs, von seinen eigenen interkulturellen und interdisziplinären Studienerfahrungen, zu denen Studienaufenthalte an beiden Hochschulorten gehören. Wesentliche Unterschiede zwischen den Universitäten sehe er einerseits in der Kurswahl, die den Studierenden in Paris stärker vorgegeben wird als in Bielefeld, andererseits auch in den vermittelten und abgeprüften Kompetenzen: umfassendes, enzyklopädisches Grundwissen in Paris gegenüber Theorie- und Methodenkompetenz, auf die in Bielefeld großer Wert gelegt wird. Farges und Marion kamen in ihrem Vortrag zu dem Fazit, dass – nicht zuletzt durch die Anfertigung der Abschlussarbeiten in einer Cotutelle – der Studiengang seinen Studierenden linguistische Kompetenzen ermöglicht und ihr akademisches Profil im Hinblick auf Globalisierung und Internationalisierung schärft.

Patricia Oster-Stierle (Universität des Saarlandes) eröffnete den zweiten Tag des Kolloquiums, an dem literarische Transfers und kulturelle Übersetzungen in den Blick genommen wurden. Sie analysierte und interpretierte in ihrem Beitrag Jean Giraudoux´ „Siegfried et le Limousin“ vor dem Hintergrund der Frage nach Identitätsbildung im deutsch-französischen Spannungsverhältnis im 19. Jahrhundert. Der Protagonist des Theaterstücks, ein französischer Soldat, verliere infolge einer Verletzung im Deutsch-Französischen Krieg sein Gedächtnis und müsse im deutschen Lazarett sein Leben neu beginnen. Mangels sozialen und kollektiven Gedächtnisses im unbekannten Umfeld konstruiere er eine neue, „deutsche“ Identität – diejenige von Siegfried. Anhand dieser Figur präparierte Oster-Stierle die Momente wechselseitiger Identifizierung und Differenzierung zwischen den beiden Nachbarnationen heraus. Hin- und hergerissen zwischen zwei Frauen, die den Protagonisten versuchen – durch politisches Engagement in Deutschland, durch eine Liebesbeziehung in Frankreich – kulturell an sich zu binden, werde Siegfrieds Zugehörigkeit zur und Teilnahme an der deutschen Gesellschaft durch sein Zugehörigkeitsgefühl als Franzose in Zweifel gezogen. Es handelt sich, so Oster-Stierle, um einen subtilen kulturellen Übersetzungsprozess, in welchem der Sprache neben ihrem Symbolcharakter eine wichtige Funktion für das kollektive Gedächtnis zukommt. Noch im Moment der Rückkehr Siegfrieds als deutscher Migrant in die französische Kultur verdeutliche die Rückübersetzung vom Deutschen ins Französische kulturelle Differenz statt Identität.

Um Autorschaft und Anerkennung ging es in Christine Meyers (Université de Picardie Jules Verne) Beitrag über Rafik Schami. Sie analysierte die literarischen Strategien, die der Schriftsteller anwendet, um sich im deutschsprachigen Kanon zu positionieren und damit seine Autorschaft zu legitimieren. Hierzu bezog sich der Vortrag einerseits auf Schamis Vorwort zur Chamisso-Biographie. Darin wende sich Schami vertrauensvoll an seinen ‚Großvater‘ Chamisso. Auf diese Weise konstruiere der aus Syrien stammende Autor eine verwandtschaftliche Linie zu dem aus Frankreich nach Deutschland migrierten Adelbert von Chamisso. Andererseits stützte sich Meyers Vortrag auf Schamis Hörspiel „Zu Gast bei Harry Heine“, in welchem Schami Heinrich Heine in Form von Zitaten selbst zu Wort kommen lasse. Beide Texte lassen sich als eine Form des Totengesprächs betrachten. Schami nehme auf diese Weise Bezug auf eine etablierte, kanonisierte Ahnenreihe, deren Leben und Schaffen wiederum selbst durch Migrationserfahrungen beeinflusst würden, und fordere damit die Anerkennung seines literarischen Werks in der deutschen „Hochkultur“ jenseits der Stigmatisierung als literarischer „Exot“ ein. Schamis Texte lassen sich deshalb, so Meyers Fazit, als Provokation und als Kritik an essentialistischen und monokulturellen Vorstellungen im Literaturbetrieb verstehen.

Die Bedeutung von Konsekrationsinstanzen des Literaturbetriebs für die Wahrnehmung und Sichtbarkeit von Autorinnen und Autoren nicht deutscher bzw. nicht französischer Herkunft untersuchte Brigitte Jirku (Universitat de València). Vergleichend betrachtete sie den Adelbert-von-Chamisso-Preis (1985-2017) in Deutschland und den Porte-Dorée-Preis (seit 2010) in Frankreich gegenüber dem ambivalenten Verhältnis zwischen literarischer Auszeichnung und Marginalisierung, in welches die preisgekrönten Werke geraten. Die Auswahl für den Chamisso-Preis reduziere die Komplexität der Texte auf eine biographische Lesart. Auch sei die ‚Migrationsliteratur‘ – siehe beispielsweise der Deutsche Buchpreis – der ‚richtigen‘ Nationalliteratur nachrangig. Auf französischer Seite scheint, so Jirku, aufgrund der Vielzahl frankophoner Länder der Sprachraum entscheidender für die Wertung als  der geographische Hintergrund der Autor*innen. Vergleiche man die beiden Romane „Ohrfeige“ von Abbas Khider (Chamisso 2016) und „Silence du choeur“ von Mohamed Mbougar Sarr (Porte Dorée 2018), so lassen sich mit der Geschichte von ankommenden Geflüchteten ähnliche Thematisierungen ausmachen: das Warten, die Einsamkeit, der Wunsch Rechte wahrzunehmen und Ausbildung oder Beruf zu verfolgen, die Notwendigkeit den offiziellen Asylbewerberdiskurs anzunehmen oder auch die Langeweile der Protagonist*innen. Während Khider sich, nach Einschätzung Jirkus, in den linken Kanon der Exilliteratur in Deutschland einschreibt, adressiert sich Mbougar Sarr mit einer Vielfalt an Erzählerstimmen an eine breitgefächerte Leserschaft zwischen Frankreich und dem Senegal.

Die theatralen Konzeptionen Frank Castorfs im deutsch-französischen Kontext beleuchtete Sylvie Arlaud (Université Paris-Sorbonne, Paris 5). In ihrem Vortrag stellte sie Migration als ein wesentliches Element des künstlerischen Schaffens Castorfs heraus, wobei dieser seinen Blick vorwiegend nach Osteuropa richtet. Seine Stücke enthielten immer wieder Texte von russischen Autor*innen sowie Textpassagen, die auf Russisch vorgetragen würden. Zuletzt habe eine stärkere Hinwendung zu Frankreich stattgefunden, die in der Zusammenarbeit der Volksbühne unter Castorfs Leitung mit Olivier Py, zu der Zeit Intendant des Théâtre National de l’Odéon, ihren Anfang hatte. Aus dieser Kooperation gingen Stücke wie „La dame aux Camélias“ (inszeniert von Castorf) und „Le Soleil“ (inszeniert von Py) hervor. Diese deutsch-französische Verbindung äußerte sich beispielsweise in Form von Übertitelungen sowie in der konfrontativen Arbeit mit deutsch- und französischsprachigen Texten, welche häufig weder eindeutig dem offiziellen Kanon noch dem Widerstand zugeordnet werden können und in ihrer Zusammenstellung ein komplexes, widersprüchliches Gefüge entstehen lassen. Castorfs Theaterkonzept folge dabei der Vorstellung Jacques Rancières vom emanzipierten Zuschauer und wende sich gegen den Drang nach Konsens. Vielmehr stelle Theater für Castorf den Ort des öffentlich ausgetragenen Konflikts dar. Auch im Hinblick auf die Bühnengestaltung werde das deutsch-französische Prisma in Castorfs Arbeiten sichtbar, wenn kollektive Symbole, Erinnerungsorte, historische Zusammenhänge sowie zentrale Texte beider nationalen Traditionen eingewoben werden, wobei auch immer wieder Verweise auf Russland durchscheinen, erläutert Arlaud.

Myriam Geiser (Université Grenoble Alpes) ging dem Prozess des transkulturellen Schreibens und seiner Rezeption in Deutschland und Frankreich nach. Sie empfahl hierfür den Begriff der métissage. Im post-migrantischen Raum situiert, sei der Begriff Geiser zufolge von der Migration abzugrenzen, weil er multiple statt einer Zugehörigkeit(en) bzw. einer statischen Zwischenstellung beansprucht. Im Begriff der métissage würden mehrere Herkünfte und demzufolge transkulturelle Identitäten fassbar, denn transkulturelles Schreiben repräsentiere Literatur in Bewegung. Mit Verweis auf François Laplantine und Alexis Nouss („Le métissage“, 1997) handele es sich um ein dynamisches Prinzip, das aus der Konfrontation und aus dem Dialog schöpfe und nicht auf Fusion oder Kohäsion abziele. Als post-monolinguales Konzept gehe es außerdem mit Yasemin Yildiz‘ „Beyond the Mother Tongue“ (2012) über die Muttersprache hinaus, anstatt den Blick darauf zu verengen, dass in einer anderen (Ziel)Sprache geschrieben würde. Der Begriff definiere auch die Stellung des transkulturellen Schreibens in der Gegenüberstellung von Literatur versus Engagement neu, denn die politische Wirkung nehme in der Rezeption eine Vorrangstellung gegenüber dem literarischen Schreiben ein. Das zeige das Beispiel von Mohammed Razanes „Dit violent“ (2012): Der Verlag stellt auf den authentischen Ton des Erzählers ab und verkennt dabei, so Geiser, das Moment der Autofiktion. Auch die Rezeption von Zafer Şenocaks „Deutsche Türken. Das Ende der Geduld“ (zus. mit Claus Leggewie, 1993) lenke den Blick zuerst auf die Bedeutung der Literatur im Kontext der Integrationsproblematik in Deutschland. Zu den Merkmalen der métissage zähle überdies die Übersetzungsarbeit im Schreibprozess. Das Übersetzen von einer in die andere Sprache sei im transkulturellen Schreiben sichtbar hervorgehoben, so etwa nachzuvollziehen an den Beispielen Faïza Guène “Kiffe kiffe demain“ (2004) oder Yoko Tawadas Gedichtband „Abenteuer der Grammatik“ (2010).

Ausgehend von Jérôme Meizoz‘ Konzept der posture stellte Benoît Ellerbach (Boğaziçi Üniversitesi Istanbul) in seinem Vortrag Überlegungen zur Autorschaft bei Emine Sevgi Özdamar an. Der Begriff des Autors verweise einerseits auf die Urheberschaft eines Textes, darüber hinaus aber auch auf eine gesellschaftliche Figur – auf diejenige Instanz, welche öffentlich Stellung nehmen und dabei auf Zuspruch oder Ablehnung stoßen könne. Der Autor könne somit als zentraler Akteur im literarischen Feld gelten. Die posture des Autors beschreibe einen interaktiven Prozess innerhalb und außerhalb des literarischen Textes. Demnach lasse sich Autorschaft in drei Instanzen unterteilen: den Erzähler, den Schriftsteller und das biographische Subjekt. Nach Auffassung Ellerbachs lohnt sich eine Analyse der Autorschaft Özdamars insofern, als sie zur Etablierung derselben bewusst eine Form der Selbstinszenierung vornimmt, welche zwischen Autobiographie und Autofiktion oszilliert. Besonderheiten ihrer posture liegen in ihrer Selbstdarstellung als Schriftstellerin durch Zufall, welche erst durch den Zuspruch aus ihrem Umfeld von der Theaterschauspielerin zur Autorin würde und sich der deutschen Sprache in körperlicher Weise nähere. Der auktoriale Namenszusatz „Emine“ würde ihr vom türkischen Dichter Ece Ayhan verliehen. Als Privatperson verzichte Özdamar allerdings auf das vorangestellte „Emine“ und nenne sich stattdessen schlicht Sevgi Özdamar. Bezogen auf ihre posture schlussfolgerte Ellerbach deshalb, dass das Pseudonym „Emine“ die Schriftstellerin vom biographischen Subjekt trennt. Der von Özdamar bewusst inszenierte Anschein von Übereinstimmung zwischen allen drei auktorialen Instanzen werde dadurch gebrochen. Die Instanz des Erzählers bildeten somit namenlose Erzählfiguren, die weder mit der Schriftstellerin noch mit dem biographischen Subjekt identisch seien. Auf diese Weise spiele Özdamar immer wieder mit der Gattung der Autobiographie und teste deren Grenzen aus. Indem sie dabei für ihre Werke fiktionalen (statt autobiographischen) Charakter beanspruche, dem höherer literarischer Wert zugestanden werde, konsolidiere sie ihre eigene Autorschaft.

Die im literarischen Feld mit der Literatur der Migration verknüpfte Autorenposition stellte in mehreren Beiträgen des Kolloquiums einen neuralgischen Punkt dar. Mit dieser schillernden Sonderrolle von Autor*innen nicht-deutscher Herkunft und den mit ihr einhergehenden Exklusionsmechanismen befasste sich eingehend Romana Weiershausen (Universität des Saarlandes) aus der Perspektive der Anerkennungstheorie. Dies erfolgte in kritischer Reflexion der Begriffe Transkulturalität, Interkultur und Multikulturalität und darauf aufbauender Analysen, die den Fokus in einem Werk beispielsweise auf hybride, homogenisierende Aspekte legten, oder etwa solche, die biographische Bezüge vor dem Hintergrund einer monolithischen Nationalkultur herausstellten. Axel Honneths Theorie werde hier für die Untersuchung von Alterität und der literarischen Würdigung anhand des ästhetischen Werts eines Werkes fruchtbar gemacht. Weiershausen demonstrierte dies am Beispiel dreier Romane: In „Kanak Sprak. 24 Monologe. Misstöne vom Wandel der Gesellschaft“ (1995) verhandele Feridun Zaimoglu in provokanter Kunstsprache inhaltliche Fragen nach der Identifizierung durch Abgrenzung anstatt durch Vermischung. Während der Wunsch nach Anerkennung der türkischen Einwanderer textintern scheitere, steige die Reputation des Autors auf textexterner Ebene mit seiner Provokation gegenüber dem intellektuellen Lesepublikum. Auch die Rezeption von Aysil Özakins „Die Leidenschaft der Anderen“ (1984) konzentriere sich auf die Position der türkischen Autorin in Deutschland, obgleich diese nach dem Verlassen der Türkei im literarischen Schaffen Zuflucht und einen alternativen Raum der Wertschätzung zu eröffnen suche. Der Versuch, mit der Literatur eine positive Selbstbestimmung zurückzugewinnen, scheitere an autobiographischen Bezugnahmen seitens des Verlags und an der Verkennung des ästhetischen Werts seitens des Publikums. In der Nische der Migrationsliteratur sei die Autorin einerseits zwar sichtbar, anderseits aber von der allgemeinen Kultur ausgeschlossen. Mit Rekurs auf Herta Müllers „Der fremde Blick“ (1999) bewertete Weiershausen die Gleichsetzung von Fremdheit und Migration als Kurzschluss. Eingewanderte Autor*innen, die ihre Identität von Innen als das Andere konstruieren, treffen zwar auf eine spezifische Form der Anerkennung. Diese sei aber eher entwürdigend, da es sich um ein aufoktroyiertes Selbstbild handele. So schloss Weiershausens Vortrag mit einem Zitat von Alois Wierlacher: „Anerkennung im beschriebenen Sinne des Wortes ist da gegeben, wo sich das anerkennende Ich mit der reflexiv prüfenden Zuerkennung von Identität dialektisch mitbegründet.“ („Anerkennung“, 2003)

Am dritten Tag des Kolloquiums wurden Migrationen im Zusammenhang mit den durch sie geschaffenen symbolischen Räumen aufgegriffen und einzelne Fallbeispiele zur Diskussion gestellt. Hans-Jürgen Lüsebrink (Universität des Saarlandes) nahm den Werdegang von Georg S. Troller unter die Lupe und stellte ihn als unterschätzten, doch einzigartigen deutsch-französischen Kulturmittler vor, der nach eigenem Selbstbild keiner war. Der in Wien 1921 geborene Autor habe mit dem Pariser Journal (1962-71) nicht nur ein breites deutschsprachiges Publikum die französische Hauptstadt entdecken lassen, sondern auch mit der Intimität von Tagebucheinträgen – le journal – neue Erzählformen für seine subjektiven Beobachtungen von Paris entwickelt. Was der Schriftsteller dem an Frankreich interessierten Nachkriegsdeutschland nähergebracht habe, seien also zugleich autobiographische Selbstbeschreibungen des frankophilen Troller, der in origineller Weise zwischen tiefsinnigen und provokanten stereotypen Darstellungsebenen hin und herwechsele. Troller habe sein Leben lang als Migrant gelebt. Wie Lüsebrinks Nachforschungen zeigten, sehe er sich aber selbst nicht als freiwilliger Migrant, sondern als „Auswanderndgemachter“. Seine Muttersprache habe ihm eine Identität gegeben, während er in Frankreich nahezu unübersetzt und unbekannt geblieben sei. Er hat die Form des Interviews und der Reportage geprägt, so Lüsebrink, weil er es versteht seinen Interviewpartner zu verführen – mit besonderer Einfühlsamkeit in einen Dialog zu verwickeln und Intimität herzustellen. Mit einem besonderen Gespür für Stimmungen einerseits und seinem Interesse für die Photographie andererseits, zeichne er sich als Journalist des Visuellen, des Fernsehens aus.

Den Identitäts(re)konstruktionen deutschsprachiger Jüd*innen, die zwischen 1933 und 1945 nach Bolivien ins Exil gingen, widmete sich der Vortrag von Katell Brestic (Université d‘Angers). Die Exilierten stellten eine äußert heterogene Gruppe dar (Zionist*innen, Atheist*innen, orthodoxe Jüd*innen und gelegentlich auch nicht praktizierende Jüd*innen), welche die gemeinsame Erfahrung der Entwurzelung und der Markierung als „andersartig“ durch das nationalsozialistische Regime verbunden habe. Anhand schriftlicher Zeugnisse arbeitete Brestic in ihrer Analyse heraus, dass die Begegnung der Exilierten mit der vom Kolonialismus geprägten bolivianischen Gesellschaft mit negativen bis hin zu rassistischen Beschreibungen einherging; die Zugewanderten identifizierten sich stärker mit der „weißen“ Elite als mit der indigenen Bevölkerung Boliviens. Andererseits seien die Exilierten auf antisemitische Einstellungen gestoßen, die sich zu verbaler und körperlicher Gewalt ausgeweitet hätten. Eine doppelte Form der Diskriminierung habe die exilierten Frauen getroffen aufgrund patriarchaler Strukturen sowohl in ihrer eigenen Gemeinschaft als auch in der bolivianischen Gesellschaft. Für den Alltag im bolivianischen Exil hatte diese Situation zur Folge, dass zwischen den Exilierten und der bolivianischen Gesellschaft kein Kulturtransfer stattfand, sondern die Separation zwischen beiden Gruppen fortbestand. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 seien nur wenige der Zugewanderten in Bolivien geblieben und hätten teilweise liberale Berufe ergriffen, entsprechend der „weißen“ Elite im Land. Von denjenigen, die im Exil geboren wurden, seien nur wenige zurück nach Deutschland oder Österreich gegangen. Stattdessen, so Brestic, etablierten sie transnationale Netzwerke zu deutschsprachigen Exilierten in anderen lateinamerikanischen Gebieten und eröffneten hierfür Cafés der Begegnung. Auf diese Weise sei eine „deutsche“ Kultur gepflegt worden, ohne jedoch Kontakt nach Deutschland oder Österreich zu unterhalten. Dieses diasporische Element verortete Brestic im Dritten Raum nach Homi Bhabha.

Auch Tomi Ungerers Vorstellung eines ethnisch und kulturell hybriden Elsass lasse sich als Dritter Raum lesen, argumentierte Kerstin Terler (Université Toulouse, Jean Jaures), die sich anhand seiner Werke mit Fragen der elsässischen Identität und Erinnerungsarbeit auseinandersetzte. Geboren 1931 in Straßburg, sei Ungerers Jugend von mehrfachen, politisch erzwungenen Wechseln zwischen der deutschen und der französischen Sprache geprägt worden. Das Elsässische wurde verboten. Deshalb sage er über sich selbst, dass er keine Muttersprache, sondern mehrere Brudersprachen habe. In seinem umfangreichen Werk behandle der Karikaturist und Satiriker vor allem (Doppel-)Moral, Erotik sowie Fragen der elsässischen Identität. Grundlage des Vortrags von Terler bildete das autobiographische Skizzenbuch „Die Gedanken sind frei. Meine Kindheit im Elsass“, welches in vier Fassungen erschienen ist: zunächst auf Französisch, dann in Ungerers eigener Übersetzung auf Deutsch und später auf Englisch, zuletzt in einer französischen Neufassung. Jede neue Fassung sei von Ungerer auf den jeweiligen Rezeptionsraum angepasst worden. Terlers Augenmerk richtete sich auf die Frage, wie in diesem Werk die elsässische Identität dargestellt wird und nach welchen Mustern darin Erinnerung und Identität miteinander verknüpft werden. Hierfür bezog sie sich auf die Erinnerungskonzepte nach Leitzke-Ungerer sowie Aleida und Jan Assmann und arbeitete zwei wesentliche Vorstellungen Ungerers zur elsässischen Identität heraus, die zwischen der Lage des Elsass in der Mitte Europas und im „Dazwischen“ zwischen Deutschland und Frankreich oszillieren. Einerseits leite er deshalb aus der Lage inmitten Europas eine Identität der ethnischen Vermischung ab und vergleiche das Elsass mit einem Eintopfgericht. Andererseits stelle er die Zerrissenheit der Elsässer*innen im politischen Machtkampf zwischen Deutschland und Frankreich dar. Aus dieser Lage im „Dazwischen“ resultiere, Ungerers Auffassung nach, eine besonders ausgeprägte europäische Identität. In der sprachlich-künstlerischen Gestaltung seiner Skizzen werde seine eigene ambivalente Beziehung zum Deutschen, Französischen und Elsässischen und damit auch das elsässische Sprachtrauma sichtbar. Terler kam zu dem Fazit, dass sich Ungerers Werk somit gegen binäre Vorstellungen von kultureller Identität wendet. Mithilfe des Humors nehme er gleichermaßen eine De- und Rekonstruktion der elsässischen Identität vor.

Wechselnde Herrschaftsverhältnisse prägen auch den von Silvia Aulagnon (Université de Lorraine Metz) untersuchten Sprachraum des Banat. In ihrer Dissertation widmet sie sich journalistischen Repräsentationen der Lothringer Gemeinschaft im Banat. In der südosteuropäischen, heute zu zwei Dritteln rumänischen Region, hatten sich im Zuge der Habsburger Kolonialisierung im 18. Jahrhundert verschiedene westeuropäische Bevölkerungsgruppen, darunter Lothringer, angesiedelt. Die ins Banat abgewanderte frankophone Minderheit habe wie die französische Sprache unter der Hegemonie der deutschen Muttersprache und wechselnden Kriterien des Nationalbegriffs über mehrere Jahrhunderte hinweg Brüche in der kulturellen Identität erfahren. Diesen multiplen Identitätsbrüchen und dem Wandel räumlicher Verankerungen ging Aulagnon aus soziolinguistischer Perspektive auf dem Weg der Diskursanalyse bei Herta Müller (aus dem Banat stammend) und der rumänischen Schriftstellerin Gabriela Adameșteanu nach. Ausgehend von den Begriffen der Akkulturation (Vinsonneau, 1997), der linguistischen Identität (Louis-Jean Calvet, 1996) und der ethno-soziokulturellen Kompetenz als implizitem kulturellen praktischen Wissen (Henry Boyer, 1990) arbeitete Aulagnon Bruchstellen in den linguistischen Praktiken, den soziokulturellen Referenzen und den räumlichen Verankerungen der Autorinnen heraus. Zum Vorschein kommen neben dem zeitweisen Verschwinden der französischen Sprache auch das Fortbestehen einer symbolischen französischen Identität und der Versuch im Banat Verknüpfungen mit einem originären französischen Wesen herzustellen, was nach Auffassung Alagnons die Flexibilität von nationalen Grenzen beweise. 

 

Die interdisziplinär ausgerichtete Tagung versammelte eine große Spannbreite vorwiegend literatur-, kultur- sowie sprachwissenschaftlicher Perspektiven auf Migration und Interkulturalität im deutsch-französischen Begegnungsraum. Obgleich sich der Großteil der Analysen auf das geschriebene Wort konzentrierte, gingen die Fragestellungen über die reine Textebene hinaus und berührten kontroverse gesellschaftliche Problemstellungen, wie etwa die Stigmatisierung und Anerkennung des „Fremden“, insbesondere bezogen auf Autorschaft und Kanonisierung, den Umgang mit Migration und Flucht, Möglichkeiten und Hindernisse in der interkulturellen Bildung sowie schließlich die schwierige Konstruktion und Aushandlung individueller und kollektiver (kultureller) Identitäten. Der Entwicklung und Infragestellung analytischer Begriffe wie Interkulturalität, Transkulturalität, Hybridität und Métissage sowie deren konkreter Anwendung kam in diesem Zusammenhang große Aufmerksamkeit zu, was wiederum Anlass zur weiteren Auseinandersetzung mit diesen Konzepten bietet und zur Historisierung mahnt. Die Tagung leistete einen Beitrag dazu, den Blick zu öffnen für die Verflochtenheit unserer globalen Gegenwart und das verfügbare analytische Werkzeug auf den Prüfstand zu stellen, insbesondere hinsichtlich der pluralisierten Sprecherpositionen in den untersuchten Texten, Diskursen und medialen Ausdrucksformen, die sich eben gerade nicht in eine „Nationalkultur“ bzw. „Nationalliteratur“ einordnen lassen.

Auteur

Andrea Dassing ist Doktorandin an den Universitäten Halle-Wittenberg (Romanistik) und Straßburg (Germanistik). Im Rahmen der Nachwuchsforschergruppe „Migration und Flucht: Theater als Verhandlungs- und Partizipationsraum im deutsch-französischen Vergleich (1990 bis heute)“ (gefördert von der Hans Böckler Stiftung) forscht sie zu Grenzüberschreitungen zwischen Kunst und Gesellschaft. In ihrem Promotionsprojekt geht sie der Frage nach, wie und mit welchen Wirkungen sich das Gegenwartstheater Frankreichs und Deutschlands mit Migration und Flucht auseinandersetzt.

Christiane Dietrich promoviert in Germanistik an der Universität des Saarlandes und der Sorbonne Nouvelle Paris 3 zur Rolle von Migrant*innen in partizipativen Theaterproduktionen in Deutschland und Frankreich. Sie ist stipendiatisches Mitglied der Nachwuchsforschergruppe "Migration und Flucht: Theater als Verhandlungs- und Partizipationsraum im deutsch-französischen Vergleich (1990 bis heute)", welche von der Hans-Böckler-Stiftung gefördert wird. Studiert hat sie Soziologie, Romanistik und Öffentliches Recht in Freiburg i. Breisgau.

Pour citer cet article

Andrea Dassing, Christiane Dietrich, Kolloquium „Interkulturalität durch das Prisma der Migrationen im deutsch-französischen Raum“, ©2021 Quaderna, mis en ligne le 10 mai 2021, url permanente : https://quaderna.org/kolloquium-interkulturalitat-durch-das-prisma-der-migrationen-im-deutsch-franzosischen-raum/

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